Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
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Reisebericht Annika Egger

Russland-Reisebericht  Annika Egger

Ich lasse mich in meinen Sitz fallen und schließe die Augen. Tausend Bilder ziehen an mir vorbei – der Kölner Dom, die Altstadt in Münster, eine Vernissage in der Schulstraße und bunt kostümierte Sänger auf Rollschuhen. Mir wird ganz schwindelig und alles beginnt zu kribbeln. Ich habe das Gefühl, als würde ich schweben…Moment mal, das stimmt sogar! Denn gerade ist das Flugzeug von der Erde abgehoben und hat die Triebwerke eingefahren. Über den Wolken beginnt nun unsere Reise in eine aufregende Woche.

Nach wenigen Flugstunden unter blauem Himmel erreichen wir unser Ziel, irgendwo weit im Nordosten.
Auf dem anderen Flughafen sehe ich Werbetafeln mit fremden Buchstaben und die Leute sprechen eine andere Sprache. Durch die Fenster kann ich einen grauen Himmel und kahle bzw. trockene Wiesen erkennen, die zeigen, dass der Winter noch gar nicht so lang vorüber ist. In der Tat sehe ich Menschen mit großen Fellmützen auf dem Kopf herumlaufen. Erst als sich die Tür zur Empfangshalle öffnet und ich in lauter bekannte, strahlende Gesichter blicke, kann ich realisieren, wo ich gelandet bin: in Sankt Petersburg, um unseren russischen Freunden im Rahmen unseres Schüleraustausches den Gegenbesuch abzustatten.
Nach einer herzlichen Begrüßung anderer Schüler treffe ich endlich meine Partnerin Eugene. Obwohl ich sie fest drücke und merke, dass sie tatsächlich da ist, kann ich noch immer nicht glauben, dass der zweite Teil unseres Austausches bereits begonnen hat.
Nach einer chaotischen Autofahrt erreichen wir mein neues Zuhause: eine Wohnung im achten Stock eines Hochhauses, welches den sieben umliegenden Gebäuden genau gleicht. Mein neues Heim ist zwar klein und ganz anders als die Häuser, die ich in Coesfeld kenne, aber es ist sauber und liebevoll eingerichtet. Aus dem Küchenfenster hat man eine atemberaubende Sicht auf die Newa und Eugene und ihre Zwillingsschwester Dasha haben mir bereitwillig ihr Zimmer zur Verfügung gestellt.
Nach einer ordentlichen Portion Borschtsch falle ich erschöpft in mein Bett und kann es gar nicht erwarten, endlich aufzuwachen.
Als am nächsten Morgen mein Wecker klingelt, beginnt endlich richtig mein Abenteuer Russlandaustausch 2012.

In der folgenden Woche erlebe ich so viele tolle Dinge und sammle Erfahrungen, dass man es schon fast gar nicht in Worten ausdrücken kann.
Mein erster Weg führt mich zur Schule. Ich und meine Partner fahren mit der U-Bahn, was in dieser Stadt besonders spannend ist, da die Stationen teilweise sehr schön ausbaut und gestaltet sind.
In der Schule, zu welcher die Schüler mit Schuluniformen kommen und wo die Klassenzimmer Wohnzimmern ähneln, werden wir zunächst von den „darstellenden Klassen“ der Schule in einer kleinen Show von Schülern begrüßt, die uns russische Lieder und Tänze präsentieren. Nach diesem gelungenen Einklang sind wir nun auf unsere Gastgeber eingestimmt und können mit der Erkundung der Stadt beginnen.
Auf einer Stadtrundfahrt sehen wir die Erlöserkirche mit ihren bunten Zwiebeltürmen, die Isaaks-Kathedrale und stehen auf dem ersten Hafen von Sankt Petersburg. Hier hat man eine wunderschöne Aussicht auf die Newa und im Hintergrund kann man die Eremitage sehen, welche wir nur zwei Tage später besuchen werden.
Sowohl in der Eremitage als auch im Katharinenpalast mit dem sagenumwobenen Bernsteinzimmer in Puschkin findet man schöne, prunkvoll ausgestattete Räume auf, in den zu früheren Zeiten die Zaren gelebt haben. Habe ich nicht gerade eine Prinzessin in einem barocken Kleid den Gang entlang schreiten sehen? Ich blicke um die Ecke und sehe ein Königspaar, das sich als besondere Attraktion mit Touristen fotografieren lässt.
Alle Bilder prägen sich in meinen Kopf, vom kleinsten Hochhaus bis zur größten Matrjoschka.
Es ist wie in einem Traum, doch auch der Kanonenschuss mit dem lauten Knall in der Peter und Paul Festung um 12.00h kann mich nicht aus jenem herausreißen; ich stehe noch immer auf russischem Boden.
Wir sehen die Stadt doch nicht nur am Tag durch Spaziergänge und Bustouren, sondern uns werden auch völlig neue Blickwinkel geboten.
Eines späten Nachmittags zum Beispiel und treffen wir uns mit einigen unserer Austauschpaare, um die Stadt von den Dächern manchen Häusern in Sankt Petersburg zu überblicken. Man kann das ganze Ausmaß an Schönheit einsehen, da sich überall kleine, verzierte Türmchen von den Häusern abheben. Da es schon Abend wird, haben wir eine atemberaubende Sicht auf den Sonnenuntergang.
Doch auch nachts im Dunkeln bekommt man viel zu sehen. Eines frühen Morgens führt uns unser russischer Freund Roman in einer Kleingruppe durch die Stadt und zeigt uns ihr wunderbares Leuchten. Die großen Gebäude erstrahlen in ihrem Licht und an den Ufern der Newa hat man unglaubliche Sichten auf die Bauwerke, wie etwa der Peter und Paul Festung. Hier kann man sich stundenlang aufhalten und die Aussicht genießen.
An dem 18. Geburtstag von Alis, einer deutschen Schülerin, haben einige Russen eine Überraschungsparty organisiert und alle Schüler feiern gemeinsam.
Dass unsere russischen Freunde sich sehr viel Mühe für uns gegeben haben und für Überraschungen gut sind, zeigen sie auch an unserem letzten gemeinsamen Abend:
Ich stehe mit Eugene und meiner neuen „Clique“ aus lauter russischen Mädchen, die ich über Eugene kennen gelernt habe und zu denen auch Carolin zählt, am Ufer der Newa gegenüber der Eremitage. Uns trennen nur noch wenige Stunden vor dem Heimflug, aber an den Abschied denkt niemand.
Roman verteilt chinesische Lichter an alle, welche wir als Symbol der Zusammenkunft und den neuen Freundschaften für die Ewigkeit in den Himmel steigen lassen. Ein letztes Mal steht unsere Truppe am Ufer und ruft „Hopp, dawai dawai!“, ein Spruch, der uns sowohl in Russland als auch in Deutschland beim Feiern ein ausgelassenes Gefühl der Zusammengehörigkeit geschenkt hat.
Ein weiteres Highlight dieser Nacht ist außerdem das Öffnen der Brücken, welches mit der gesamten Beleuchtung in der Dunkelheit ein besonderes Spektakel bietet.
Für mich ist diese letzte Nacht perfekt – als Abschluss einer erlebnisreichen Woche, in der ich viele neue Erfahrungen gesammelt, mich in der russischen Sprache üben konnte und neue Menschen kennen gelernt habe, die bereits einen Platz in meinem Herzen eingenommen haben. Nicht nur zu den Russen, auch zwischen deutschen Schülern haben sich neue Freundschaften entwickelt.
Beim Abschied von unserer Clique mit Eugene, Valeria, Xenia 1+2 und Dasha und natürlich all den anderen russischen Schülern kann nicht nur ich die Tränen nicht unterdrücken.
Als wir am Flughafen dann von Roman Abschied nehmen, will wohl niemand wahrhaben, dass der Traum, der ja eigentlich real ist, nun bald zu ende geht.
Doch dann laufen wir durch einen Tunnel in unser Flugzeug und stehen schon wenige Stunden später wieder auf deutschem Boden.
Genauso schnell wie mein Bericht ist auch unsere Woche in Sankt Petersburg vorüber gegangen und ich hoffe, dass unsere Freunde aus Russland uns bald wieder besuchen kommen, wie wir es uns gegenseitig versprochen haben.
Hier in Coesfeld ist nach spannenden Erzählrunden und Fotoschauen bereits der Alltag zurückgekehrt; nächste Woche stehen die ersten Klausuren an.

Ich sitze in einem Sessel und schaue auf eine kleine Spieluhr, auf der sich zu russischer Musik bunte Türmchen drehen, die an die Erlöserkirche erinnern. Tausend Bilder ziehen an mir vorbei – die goldene Kuppel der Isaaks-Kathedrale, ein Spiegelsaal im Katharinenpalast, die Bildergalerie in der Eremitage, ein grüner Clown, der einer Frau mit seiner Geige in den Ohren quietscht und die in der Nacht malerisch beleuchtete Peter und Paul Festung, deren nächtlicher Anblick übrigens über meinem Schreibtisch hängt.

Für diese spannende und aufregende Woche können wir alle uns bei den Menschen bedanken, die uns diesen Austausch ermöglicht haben und versichern, dass wir diese Erinnerungen für immer bei uns haben!

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