Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
tel.: 02541-966010 fax: -19
Holtwicker Straße 8
48653 Coesfeld
PSF 1452

Schulprogramm: Erziehen

Die Vermittlung von Fakten und Fachwissen allein reicht nicht mehr aus, um Kinder und Jugendliche auf ihre Zukunft angemessen vorzubereiten. Neben den klassischen Bildungsauftrag der Schule tritt daher in wachsendem Maße der Erziehungsauftrag der Schule neben den elterlichen Erziehungsauftrag. Einflussnahme auf und durch Erziehung ist notwendig, denn wir beobachten zunehmend Kinder und Jugendliche, denen es offensichtlich immer schwerer fällt, sich in einer Gruppe zurechtzufinden, sich in eine Gemeinschaft einzuordnen, mit sich selbst und anderen achtsam und förderlich umzugehen oder auch Achtung vor dem Eigentum anderer und schonenden Umgang mit Dingen zu zeigen. Wir wollen deshalb versuchen, das Verhalten unserer SchülerInnen durch konkrete Maßnahmen positiv zu beeinflussen. Diese Maßnahmen sollen in der Erprobungsstufe beginnen und die SchülerInnen mit wechselnden Inhalten bis in die Oberstufe begleiten. Ziel ist die Schaffung einer persönlichen Identität und eines positiven Sozialverhaltens, das gekennzeichnet ist durch Selbstvertrauen, Beziehungsfähigkeit sowie Verantwortungsbewusstsein gegenüber Personen und auch Dingen. 
 

Der Förderung sozialer Kompetenz und Ich-Stärkung dient das unterrichtseingebundene Programm „Erwachsen werden“. Aus der Einsicht heraus, dass die geglückte Entwicklung einer persönlichen Identität auch Prävention gegen Suchtverhalten und andere schädliche Verhaltensformen ist, versucht das Programm Hilfen zur Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen zu bieten. Das Hauptziel des Programms „Erwachsen werden“ ist, die psychosoziale Kompetenz junger Menschen zu entwickeln und zu stärken, sie in ihrer Fähigkeit zu fördern, ihr Leben verantwortlich in die Hand zu nehmen, und eigene Entscheidungen verantwortlich zu treffen und umzusetzen, Konflikt- und Risikosituationen in ihrem Alltag zu begegnen und für Probleme, die gerade die Pubertät gehäuft mit sich bringt, positive Lösungen zu finden. Das Programm knüpft an viele Erfahrungen und Methoden an, die LehrerInnen aus anderen Lernzusammenhängen bekannt sind. Sie werden mit Themen verbunden, die in der (beginnenden) Pubertät im Vordergrund stehen. Die Bausteine greifen Themen der Unterrichtsfächer Politik, Religion und Biologie auf, lassen sich aber auch durch Einübung fachrelevanter Arbeitsweisen in weitere Fächer integrieren oder bieten Anregungen zu fächerübergreifenden. Viele Aktivitäten des Programms sind handlungsorientiert angelegt, fördern die Arbeit in Kleingruppen und motivieren die SchülerInnen zur selbständigen Arbeit. An der sozialen Erziehung ist neben der Schule natürlich vorrangig das Elternhaus, aber auch das gesamte soziale Umfeld beteiligt. Das Programm versucht, alle beteiligten Gruppen zu aktivieren und miteinander ins Gespräch zu bringen, z.B. durch themenbezogene Elternarbeit. 
 

Das ursprüngliche Projekt Konflikttraining für Jungen wird inzwischen im Rahmen des 13PLUS-Programmes angeboten. In diesem Projekt geht es darum, Jungen in die Lage zu versetzen, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Gerade für Jungen sind vielfältige Anstrengungen nötig sind, alternative Handlungsmöglichkeiten in konflikthaften Situation zu praktizieren. Die männliche Identität soll positiv gefördert werden, um so typisch männliche Gewalt zu vermeiden. Verbale und nonverbale Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil des Programms: Wie sehe ich mich selbst ? Wie wirke ich auf andere ? Immer wieder werden typische Szenen, in denen es häufig zu Gewalt kommt, im Rollenspiel dargestellt, um dann anhand dieser Szenen die Abläufe zu erarbeiten und ggf. Alternativen zu entwickeln. Auch das Projekt Mädchen stark machen wurde in das Angebot des 13PLUS-Programms integriert.. Die inhaltliche Ausgangsbasis des Projekts ist das Bewusstsein über mädchenspezifische Sozialisation, die daraus resultierenden Einschränkungen, Unsicherheiten, Belästigungen, Gewalt und die Schwierigkeit, sich gegen diese wehren zu dürfen und zu können. Ziele des Projekts: Selbstwertgefühl stärken, Selbstbewusste Verhaltensweisen im Alltag fördern, individuelle Selbstverteidigungstechniken erarbeiten, über Erkenntnisse, rechtliche und persönliche Fragen zur Vergewaltigung informieren 
 

Der Suche nach Antworten auf Sinn-, Werte- und Deutungsfragen dienen die Tage religiöser Orientierung. Sie bieten den Freiraum, außerhalb des Schulalltags zusammen mit MitschülerInnen Fragen der eigenen Lebensorientierung zur Sprache zu bringen. Veranstaltungsort ist eine für diesen Zweck geeignete Jugendbildungsstätte, über die entsprechende Fördermittel für Unterkunft und Verpflegung zur Verfügung stehen. Jugendliche sind in unserer pluralen Gesellschaft mit einer Vielzahl von Sinndeutungen und Weltanschauungen konfrontiert. Die traditionellen Deutungsmustern, auch die der christlichen Kirchen, haben an Verbindlichkeit für die eigene Lebensorientierung nicht nur junger Menschen verloren. In dieser Situation stellen Orientierungslosigkeit oder Gleichgültigkeit gegenüber verbindlichen Normen, Werten, existentiellen und religiösen Grundhaltungen auf dem Weg zum Erwachsensein eine echte Gefahr dar, bei der es nicht zuletzt auch um einen Grundkonsens des Zusammenlebens jeder menschlichen Gemeinschaft geht. Beim Übergang in die Sekundarstufe II entsteht für die meisten SchülerInnen eine neue Lebens- und Lernsituation. Das Abstecken neuer Ziele und das Wahrnehmen einer größeren Verantwortung für die eigene Bildungslaufbahn sind erforderlich. Gleichzeitig löst sich der gewohnte Klassenverband auf, SchülerInnen müssen sich neu aufeinander einlassen und kennen lernen. In dieser Situation scheint eine intensive Orientierungsphase besonders wichtig zu sein. Wir sind davon überzeugt, dass Ichstärkung und Kompetenzerweiterung bei der persönlichen Entscheidungsfindung für alle Schulerinnen und Schüler wichtige Erziehungsziele sind. Deshalb hat die Schulkonferenz des Nepomucenums im Juni 1997 das Konzept ergänzt und für alle SchülerIinnen, unabhängig von Konfession oder Religion, geöffnet.