Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
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PSF 1452

Lernen verstehen: Unser Gehirn

Warum sind Sinne und Gefühle beim Lernen wichtig?


Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns die Arbeitsweise unseres Gehirns verdeutlichen. Evolutionsgeschichtlich gesehen hat unser Gehirn nacheinander entstandene Teile:

  • Hirnstamm
  • Zwischenhirn = limbisches System
  • Großhirn

Warum sollten wir das wissen? Ganz einfach: Die Gehirnteile entwickelten sich nacheinander, und so ist immer noch unsere Gehirnarbeit strukturiert. Erst müssen die älteren Teile (Stammhirn, lymbisches System) „zufriedengestellt werden“, damit sie mit dem Großhirn, in dem das eigentliche Denken stattfindet, kooperieren.


Hirnstamm


Das Stammhirn (oder Hirnstamm) ist der ursprünglichste, älteste Teil des menschlichen Gehirns. Hier werden die grundsätzlichen Lebensfunktionen wie Kreislauf, Atmung, Stoffwechsel und Schlaf  geregelt. Wenn hier etwas nicht stimmt, das Stammhirn also negative Einflüsse wie sauerstoffarme Luft, Hunger, Durst, Kälte, Übermüdung, zu wenig Licht meldet, wird der Verstehens- und Lernprozess stark eingeschränkt.


Fazit:  Zum Lernen brauchen wir

  • regelmäßiges Essen (Frühstück nicht vergessen, Mensa an den langen Tagen!)
  • genügend Flüssigkeit (Trinkwasserangebot in der Schulstraße!)
  • gelüftete Klassenräume (Stoßlüften in der Pause!)
  • angemessene Kleidung (damit Ihr nicht durchnässt und frierend oder schwitzend in der Klasse sitzt – nicht nur auf das Aussehen achten!)
  • genügend Schlaf
  • Pausen mit Bewegung
  • genügend Licht.


Limbisches System


Das Limbische System ist der evolutuionsgeschichtlich zweitälteste Teil unseres Gehirns. Man bezeichnit diesen auch als „Emotionales Gehirn“. Der Wahrnehmungspsychologe Rudolf Arnheim spricht von „Intelligenter Wahrnehmung“, d.h. schon beim Wahrnehmen denken wir – nicht erst danach. Und wir bewerten sofort etwas als relevant oder nicht relevant, angenehm oder unangenehm, wenn Informationen über unsere Sinneskanäle aufgenommen werden. Die aufgenommene Information hat also gleich ihren „Stempel“, und der hängt nicht (nur) von der Information an sich ab, sondern vom Gesamtkontext: Lerne ich in angenehmer, angstfreier, anregender Atmosphäre? Habe ich die nötige Ruhe? Werden verschiedene Sinnesorgane angesprochen? Bin ich „aufgeräumt“, oder habe ich Angst, Liebeskummer, Streit? Fühle ich mich akzeptiert in meiner Lerngruppe? Emotionale Störungen verhindern Lernen, emotionale und sinnlich vielfältige Ansprache ermöglichen es.

Fazit:  Zum Lernen brauchen wir

  • einen Lernablauf frei von negativem Stress (Beispiele für negativen Stress: Angst sich zu blamieren, Mobbing, negatives Selbstbild/ fehlendes Selbstvertrauen, Erwartungsdruck, Streit und Liebeskummer)
  • eine positive und akzeptierende Atmosphäre in der Lerngruppe (Indikatoren: Freundliche respektvolle Umgangsformen untereinander und zwischen SchülerInnen und LehrerInnen, Lernen ist als Selberdenken und diskursiver Prozess verstanden, Stärken und Schwächen werden als Teil des Lernprozesses akzeptierend in das Gruppengeschehen integriert)
  • eine angenehme und sinnlich anregende Lernumgebung (dazu gehören die Raumgestaltung und die Schulgestaltung)
  • sinnlich und emotional erfassbare Materialien, die mit den zu lernenden Informationen und Sachverhalten verknüpft werden können, innere Bilder und das Gefühl von Relevanz müssen entstehen können (Gehörtes und Gelesenenes soll visualisiert werden durch Filme, Bilder, cartoons, Diagramme, Mindmaps u.ä., Musik, Anekdoten, sprachliche Bilder, Anknüpfung an eigene Erfahrungen helfen ebenfalls, das Ansprechen des Tast-, Geschmacks- und Geruchssinns hilft ebenfalls sehr, emotional Zusammenhänge und Anker im Gedächtnis zu erstellen)
  • Erfolgserlebnisse! Denn das Lymbische System belohnt uns, wenn etwas gelungen ist, mit Endorphinen, d.h. mit körpereigen hergestellten „Glückshormonen“.



Großhirn

Der evolutionsgeschichtlich jüngste Teil des menschlichen Gehirns ist das Großhirn. Hier geschieht das rationale Denken. Vernunft und komplexe Zusammenhänge, die Sprache, Symbol- und Mustererkennung, die Möglichkeiten des Abwägens und Diskutierens, des Sich-Vorstellens, der Kreativität haben hier ihren Ort.

Voraussetzung für die erfolgreichen Lernprozesse im Großhirn ist, dass die beiden anderen Gehirnteile Stammhirn und Limbisches System kooperieren. Logisches Denken und Gefühle kann man nicht isoliert betrachten – es gibt unzählige Abhängigkeiten. Man kann sogar sagen: Lernen und Verstehen ist ohne emotionale und sinnliche Beteiligung nicht möglich.  Selbst so abstrakte Dinge wie mathematische Verfahren werden nur dann durchdrungen und behalten, wenn der/die Lernende die Relevanz des Gegenstandes erkennt,  den Gegenstand visualisieren kann und das Verhältnis zum Lernprozess  (Atmosphäre in der Lerngruppe, meine eigene Einstellung usw.) stimmt.  Geschichtliche Zusammenhänge kann ich als Lernende/r besser verstehen und behalten, wenn ich über ein Netz an sinnlich verschiedenen Informationen verfüge, die ich aber visuell und sprachlich verknüpft habe, z.B. Italienische Renaissance: Ich habe das Gemälde „Abendmahl“ von Leonardo betrachtet, Leonardos Biografie als Künstler und Wissenschaftler gelesen,  dabei Zeitgenossen und wissenschaftliche Entdeckungen dieser Zeit in einem Zeitstrahl herausgeschrieben und Skizzen gemacht, habe Filmausschnitte gesehen und die Informationen ind Mindmaps oder Clustern zusammengestellt, habe mir Fragen zur damaligen Zeit gestellt und diskutiert,  habe Zentralperspektive und die Renaissancebaukunst zeichnerisch erforscht, habe mir Modelle dazu angesehen, mich einmal als „Renaissancemensch“ verkleidet und fotografiert, diese Fotos mit anderen aus der Lerngruppe als Fotosequenz zu Renaissancemusik zusammengestellt. Ich kann sicher sein, viele der Informationen zu behalten, weil ich Zusammenhänge hergestellt habe und emotional und sinnlich belegt habe.

Ist das zeitaufwändig? Ja und nein. Immer wieder etwas zu wiederholen und seine Zeit mit Nachhilfe zu verbringen kostet auch Zeit und Geld – und macht weniger Spaß. Verfahren der Visualisierung sind sogar ausgesprochen effektiv – selbst und gerade was die Zeit angeht! Wichtig ist: Inhalte müssen verknüpft werden, Lernmethoden müssen gelernt und angewendet werden. Konstruiere Dein eigenes Wissensnetz! Dann kannst Du Wissen aufeinander aufbauen und wieder verknüpfen. Wer viel aktives anwendungsbereites Wissen hat,  lernt immer leichter noch mehr.

Fazit: Zum Lernen brauchen wir

  • verschiedene Sinneseindrücke (Lernmateriel, Umgebung)
  • Umwandlung von Informationen durch uns Lernende selber in sinnlich anders wahrnehmbare Formen (z.B. Texte visualisieren als Diagramm, Schlüsselwort- und Bildverknüpfung; Bilder textlich oder szenisch interpretieren, Mengen und Formen durch Spielmaterial sicht- und fühlbar machen usw.)
  • Lerntechniken und genügend Lernzeit zur Informationsverarbeitung: das Wissen muss vernetzt und sich selber anschaulich gemacht werden mit Visualisierung, inneren und sprachlichen Bildern, logischen Zusammenhängen
  • kooperative Lernformen, in denen Jede/r aktiv in den Lernprozess einbezogen ist: Ich denke und strukturiere selber, aber wälze das Gelernte mit verschiedenen Methoden in Zusammenarbeit mit den anderen um. Dabei werden wiederum verschiedene Sinne beansprucht (z.B. erkläre ich einen Zusammenhang: Erst lesen, dann strukturieren und visualisieren, dann in Partnerarbeit vergleichen d.h. auch hören, dann präsentieren d.h. in verschiedenen Versionen sehen und aktiv vergleichen)


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