Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
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PSF 1452

Methoden der Kunstbetrachtung: Kompositionsanalyse

Als Komposition (lat. Zusammensetzung) bezeichnet man den formalen Aufbau und die Gesamtstruktur eines Werkes, d.h. die Untersuchung der Bildteile und die Art ihres Verhältnisses zueinander. Sie hat die Aufgabe, das Werk zu organisieren und zu ordnen, um dadurch bestimmte Wirkungen hervorzurufen und einer Aussage eine überzeugende Form zu geben.

Elemente

Die Komposition setzt sich aus den einzelnen Gestaltungselementen des Werkes wie z.B. Linien, Flächen, Körper, Räumlichkeit und Farben zusammen.

Aspekte

  • Format: Hoch-/Querformat, quadratisches Format, Dreieck und Tondo (=kreisrundes Format) ® alle Bildelemente stehen in Relation zum Format – dadurch wird ein Bezugssystem hergestellt
  • Quantität: Größe der Bildelemente im Format und Anzahl; einzelne Form→meist isoliert, unübersehbar, wichtig, unmittelbar, singulär (entweder riesig, groß oder klein); wirkt meist ruhiger als eine Vielzahl von Formen (diese können allein durch die Anzahl unruhig wirken /verstärkt durch unterschiedliche Ausrichtungen oder Richtungsdivergenzen)
  • Position (Zentralposition, Randposition, Eckposition)
    • Zentralposition: Position in der Bildmitte, Wirkung i.d.R. dominant, bestimmend, zentriert, dominierend, stabilisierend, etc.
    • Randposition:
      Unterschied zwischen oben, unten, links und rechts + genauere Bestimmung (oben links, oben in der Mitte, etc.) („weiter hinten“ ist unangemessen, da z.B. die Bildfläche nur zwei Koordinaten oben/unten hat)
      →mit diesen „neutralen“ Bestimmungen verbinden sich Wirkungen (z.B. obere Bildelemente erlebt man parallel zu sozialen Schichtungen und Wertmaßstäben der Leistung als überlegen, wichtiger, akzentuierter, abgehoben, bedrohlich, etc. / Elemente links und rechts am Bildrand erscheinen i.d.R. unwichtiger, vor allem, wenn sie zudem überschnitten sind)
    • →dezentrale Position erzeugt ein größeres Spannungselement zwischen Format und Bildelement
      →die Richtungsbezüge werden unterschiedliche ausgeprägt wahrgenommen und dementsprechend als bedeutungsvoll gewertet
  • Gerichtetheit→die Gerichtetheit des Formats wird mit der aller Bildteile in Beziehung gesetzt
    es gilt: je höher die Anzahl verschieden ausgerichteter Bildelemente und Formatbegrenzungen ist, desto unruhiger, dynamischer oder aggressiver wirkt das Gemälde.


    • folglich: ein Gemälde mit zunehmender Gleichrichtung aller Teile wirkt stets ruhiger, am ruhigsten bei horizontaler Ausrichtung der Bildelemente und des Formats in bestimmter Proportion
  • Gestaltungsprinzipien →Beziehung der Elemente untereinander wie Reihung, Rhythmus, Staffelung, Streuung, Verdichtung, Ballung, Gruppierung, Proportion,
  • Perspektive
  • Geometrische Figuren ( a:  Kreis, Spirale, Stern b: Dreieck, c: Viereck, Rechteck, etc.)
    • Kreis: Vollkommenheit, Symbol des Himmels-des Göttlichen (Heiligenschein)
    • Dreieck: Trinität, göttliche Dreifaltigkeit
    • Viereck: das Irdische (vier Elemente)
  • Diagonalen- und Seiteneinteilungen:
    • Mittelsenkrechte bietet Möglichkeit der Symmetriebildung
    • Symmetrie reduziert die Redundanz und gilt als harmonisierend, ausgewogen, kann aber auch eintönig und künstlich wirken.
    • Asymmetrie wirkt lebenswirklicher, kann aber auch chaotisch und verunsichernd wirken

Kompositionsskizze

„Eine Kompositionsskizze ist oft sehr hilfreich, um die wesentlichen Formen und Linien sichtbar zu machen. In der Kompositionsanalyse wird die Skizze anschließend ausgewertet. Dass heißt, dass der Zusammenhang zwischen der jeweiligen Komposition und der durch sie hervorgerufenen Wirkung herausgearbeitet werden muss.“ (vgl. Kayser: Abiturwissen Malerei. Köln 2002.)

Hinweis: Es gibt „gedachte“ und „ausgesprochene“ Linien im Bild.

  • gedachte Linien: „Kompositionslinien sind natürlich nicht immer explizit im Bild zu sehen. Oft sind es, wie Adolf Hölzel erklärt, „immaterielle, virtuelle, fiktive Linien, die das Auge selbst erschafft, wenn es gezwungen wird über ausgezeichnete Bildpunkte zu gleiten.“
  • ausgesprochene Linien: hierbei handelt es sich um tatsächlich sichtbare Linien

Tipps:

Zuerst gilt die Suche den Zentren und Schwerpunkten, dann gilt es dominante Linien wie Senk- oder Waagerechte aufzudecken, Diagonalen und Schrägen aber auch Symmetrieachsen herauszuarbeiten. Zu all dem können vielfältige kompositionelle Anordnungen treten: die Ausrichtung im Bildraum kann mit Richtungen und Bewegungen umschrieben werden.