Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
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Abstraktion: Gesellschaftlich bedingte Abstraktionsformen

Die Form der Abstraktion als Veranschaulichung gesellschaftliche Sichtweisen. Die Art und Weise in der ein Vorbild abstrahiert wird, ist oft Teil einer zeitgebundenen Sicht- und Handlungsweise. In diesem Sinne ist zu einer bestimmten Zeit nur bestimmtes möglich (Zeitgeist).

Der Abiturplan nennt hier als verbindlich zu bearbeitende  Epochen :

Romanik ( Figurendarstellung) und

Amerikanische POP- ART.

Romanik

Der Staat gründete als Ordnungsmacht in der Religiosität der Gesellschaft. Aus der Religiosität heraus, die den Einzelnen mit allen Gliedern der Gesellschaft, ja allen Teilen des Kosmos verband, erfuhr der Mensch sich selbst und den Kosmos als Bild einer eigentlichen, ewigen Ordnung, die ihren Ort nicht hier in dieser Welt, sondern im Jenseits hat.

Das „Gesetz Gottes“ ist in höherem Sinne das „Wort Gottes“ und dieses ist Christus, der durch seine „Glieder“, die Evangelisten, das „Gesetz“ gleichsam selbst geschrieben hat. So ist Christus „selbst“ im Evangelienbuch gegenwärtig.

Ein Mensch, dessen Geistigkeit auf ein Unsichtbares gerichtet ist, interessiert sich weniger für die materiellen Objekte. Die Erzeugung einer Illusion der materiellen Wirklichkeit fallen also für jenen mittelalterlichen Menschen aus. Was der Maler auf Grund seiner inneren Schau vom Äußeren nicht wahrnahm, konnte er auch nicht wiedergeben.

In der Romanik bemühten sich die Buchmaler, Illustration, Verzierung und Text miteinander zu verknüpfen. Einen Höhepunkt erlebte die Buchmalerei in der ottonischen Kunst. Inbegriff ottonischer Malerei ist das Inselkloster Reichenau im Bodensee, in dem der klassische Stil der ottonischen Buchmalerei nach 980 ausgebildet wurde. Der Motivcanon wurde von der Buchstabenschmückung zur Illustration hin erweitert .Byzantinische Motive drangen in die deutsche Buchmalerei ein. Mit kräftigen Aquarellfarben entstand bedeutende Buchmalerei im Kloster Reichenau auf der Insel Reichenau im Bodensee , Köln und Regensburg.

Die Benediktinerabtei Reichenau besaß im 10. und 11. Jahrhundert die wohl größte und einflussreichste europäische Malschule. In ihrer Hauptblütezeit zwischen etwa 970 und 1010/20 entstanden dort im Auftrag der höchsten Kreise der damaligen Gesellschaft – Reichsbischöfe, Könige und Kaiser – eine Reihe meist liturgischer Prachthandschriften. Die Codices repräsentieren die ottonische Buchmalerei Deutschlands und ihrer Aussagekraft für die religiöse, politische und kulturgeschichtliche Situation ihrer Zeit. Als Inspirationsquellen dienten ihnen sowohl die karolingische Buchmalerei der Hofschule Karls des Großen als auch altchristliche und byzantinische Vorlagen. Die Forschung ordnet die Codices in Gruppen, die nach Schreibern, Künstlern oder Auftraggebern benannt sind.

Farbe: Die Symbolwirklichkeit des Bildes manifestiert sich auch in der Anwendung des Goldes und der Farben. Der Goldhintergrund des Bildes soll also nicht irgend etwas Räumliches „darstellen“, sondern ist zunächst nur kostbarer Belag des Pergaments, als der er die figuralen Darstellungen heiligen Inhalts trägt. Als solcher ist er natürlich auch Symbol. Das Gold steht für die „Erscheinung Gottes in seiner Schöpfung, für seine Weisheit und Liebe, für das „Licht“ Gottes, der selbst „im unzugänglichen Lichte wohnt“ und als „Licht“ alles erhellt. In ähnlichem Sinne sind auch die Farben in ihrer Leuchtkraft zu verstehen. Sie sind tatsachlich den Farben und dem Glanze der Edelsteine angeglichen, in denen der mittelalterliche Mensch ein besonderes Bild der ewigen Ordnung und der Vollendung alles Geschaffenen erblickte. Die Farben wie die Edelsteine sind Symbole. Das Blau im Saphir steht für den Himmel und Gottes Schöpferkraft, das Grün im Smaragd für die vollendete Erde, das Paradies und das ewige Leben, das Rot im Rubin für Liebe, Leben, Opfer und Gericht, für das Feuer und das Blut; einen ähnlichen Sinn hat die edelste Farbe, der Purpur im Amethyst. Er steht für den König und den königlichen Priester und für die Trinität.

Form: Die Figuren werden aus geometrischen Grundformen zusammengesetzt, wie in heute üblichen Zeichenschul-Malbüchern für Kinder ( So zeichnet man eine Giraffe! oder Punkt, Punkt , Komma Strich fertig ist ein Mondgesicht. 🙂 Die Figuren sind aus der Erinnerung und Vorstellung gestaltet und fügen sich in eine Wirklichkeit die als Meßlatte die Bibel als Maßstab für Wahrheit legt, es geht nicht um photographische sichtbare Wahrheit.. ( Das Bild muss dem Text entsprechen, ist also Illustration des Textes. )

Komposition: Bei unseren Malereien wird die Bildkomposition durch geometrische Figurensysteme erstellt, die mit Zirkel und Richtscheit aus den Grundfiguren des Kreises und des Kreuzes gewonnen wurden. Hierbei ergaben sich stabile und zugleich lebendige Maßverhältnisse, wie sie auch in der Natur vorkommen. Ihre Zahlen haben selbstverständlich auf symbolische Bezüge. Dieses Ordnungsprinzip ist objektiv und bestimmt unsichtbar Lage und Ausdehnung aller wesentlichen Gestaltteile bei unseren Bildern, angefangen schon bei den Formaten.

Zur Amerikanischen Pop Art :

Zusammengekürzt aus > popular art < = >volkstümliche Kunst< als Strömung der zeitgenössischen Kunst, die in Großbritannien ( London) und in den USA (New York) seit Mitte der 1950er-Jahre und in den 60er-Jahren die Kunstszene beherrschte. Die Pop-Art entdeckte die Welt der Unterhaltungsindustrie und der Werbung als ästhetische Wirklichkeit. Banale Objekte des Massenkonsums wurden durch Isolierung, Ausschnitt, Vergrößerung, Reihung oder durch Imitationen verfremdet und parodiert. Die Pop-Art wollte die Kunst mit moderner Lebenswirklichkeit verbinden.

Die formalen Anregungen der Pop Art kommen aus der Reklame, dem Showbusiness und dem Film, also den Massenkommunikationsmitteln. Zu ihrem Themenkreis gehören vor allem Comic-Bilder, Plakate der Großstadt und des Supermarkts, Bildreportagen, Autos, Verkehrszeichen, aber auch die Superstars des Films und des Showgeschäftes.

Form / Farbe : die Bilder sind figurativ-realistisch, Abstraktion auf ein Motiv: Suppendose, Porträt von Marilyn Monroe, Auto.

Die Bilder der Pop Art entstammen schon Werbeprospekten, sind also schon zweite Wirklichkeit . Sekundäres Bildmaterial wird zum Motiv:  Film, TV, Werbung, Comics, Magazine. Die Bilder der Pop Art schärfen und übersteigern ihre Vorbilder aus der Werbung noch durch eine akademische formale Reinigung von Form und Farbe und treiben die Vorbilder formal auf die Spitze. Idealisierung und Darstellung unter den Aspekten der zum Kauf anpreisenden Bilder.( noch farbiger noch grandioser noch formal verfeinerter. siehe Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg, Jasper Johns, Claes Oldenburg). Popfarben (Grelle dissonante Farbzusammenstellungen, Komplementärkontraste ) und Riesenformate ( blow up) dominieren. Industrielle Fertigung der Bilder bei Warhol in dessen Atelier: >factory<.

Im allgemeinen hat die amerikanische Pop Art keine sozialkritischen Tendenzen, ebenso wenig weltanschauliche Ambitionen. Eher ist sie eine Kunst fröhlicher Zeitgenossen , die das Leben nicht sonderlich tragisch nehmen. Die deutsche Pop Art ist konsumkritisch und aufklärerisch orientiert.

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