Nepomucenum
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Abstrakte Kunst: Lyrische Abstraktion

Der Begriff >abstrakt< entwickelte sich aus der Antiposition zur gegenständlichen, nachahmenden Kunst und bezeichnet zugleich zwei unterschiedliche Formen von ungegenständlicher Kunst:

I. Lyrische Abstraktion, die als >informelle Kunst< Ausdruck der intuitiven Kreativität ist. Organisches und Anorganisches. Protokoll seelischer Empfindungen (Ego, Meditation). Wassily Kandinsky, Paul Klee, Informel ,art brut, Tachismus, action painting

II. Konstruktive Abstraktion, die geometrische Ordnungsstrukturen visualisiert. Konstruktiver Entwurf einer zu gestaltenden Welt ( mittels der Grundelemente ) Konstruktivismus: Bauhaus, Russischer Konstruktivismus ( Suprematismus) , De Stil (Niederlande), Minimalismus( USA),Conzept art (USA)

zu I.) Lyrische Abstraktion

KANDINSKY, Wassily (1866-1944):

Die  Entwicklung zum Abstrakten Bild  veranschaulichen  seine von 1897 bis 1914 in München entstandenen Werke, von der impressionistisch gestimmten Landschaftsmalerei bis zum  gegenstandslosen Bild (1910) , bis sein Werk in reine konkrete Kunst mündet. Sein Text “ Über das Geistige in der Kunst “ von 1912 geht davon aus, das die Probleme des modernen Menschen nicht mehr im nachahmenden Naturalismus gelöst werden können.

KLEE, Paul (1879-1940):

Gestaltete aus Farben und Formen eine abstrahierte, surreale Welt, in der er oft weit auseinanderliegende Dinge auf überraschende Weise verknüpfte. Seine meist kleinen Bilder sind traumhafte Erinnerungen an unbewusste Zustände, in denen Schwerkraft, Zeit und Raum aufgehoben erscheinen. In seinen Bilderfindungen gibt es keine logischen Zusammenhänge. Seine zarten Gebilde entstehen wie in kindlichem Spieltrieb, doch hat er sein Verhältnis zur Welt in ein System gebracht, das sich auf den Grundelementen des Graphischen aufbaut.

Tachismus/ Informelle Malerei (action painting, psychischer Automatismus, ecriture Automatique, u.a.)

Der Tachismus  entstand um 1940 – 1960 in Paris, hauptsächlich in Deutschland und Frankreich als abstrakte Malerei nach dem zweiten Weltkrieg ( von französisch: la tache = Farbfleck, Farbklecks) aus den Überlegungen der Surrealisten.

Informell als Kunst des Nichtgeformten, Sammelbegriff für eine Stilrichtung der  abstrakten Kunst, die sich nach 1945 in fast allen westlichen Ländern ausbreitet und zwischen1944  und 1962  innerhalb der abstrakten Kunst vorherrschte.  Im Gegensatz zu den formbetonten Strömungen der abstrakten Kunst beseitigte sie auch das bewusste Streben nach abstrakten Harmonien und setzte den Zufall, die «Selbsttätigkeit» des Materials und manchmal seltsamer Arbeitsgeräte (z.B. tröpfelnde Farbdosen), die vom Bewusstsein unkontrollierte physische Aktion und die unmittelbare «Niederschrift» enthemmter Triebe an die Stelle des entwickelten künstlerischen Schaffens. Die Vertreter dieser abstrakten Kunst lehnten eine organisierte Formstruktur ab und richteten sich so gegen die Kunst der geometrischen Abstraktion.

Die verstärkte Hinwendung zur informellen abstrakten Kunst war eine Folge der vorausgegangenen kultur- und allgemeinpolitischen Verhältnisse. Nationalsozialismus und Faschismus hatten seit den 30er Jahren offiziell eine gegenständliche, propagandistische Kunst gefördert und unliebsame Künstler, darunter alle abstrakten, als „entartet“ verfemt und verfolgt.

So brach sich nach dieser Epoche der verordneten Kunst und der Schrecken des Krieges das Individuum zwangsläufig erneut Bahn. In diesem Zusammenhang war die emotionale, spontane und gestische Malweise der informellen Künstler zu dieser Zeit der Ausdruck der Befreiung des Individuums von den Schrecken des Weltkrieges und wurde zu einer weltweit gesprochenen „Sprache“.

Die informelle Malerei lehnt jede Kompositionsregel ab, um durch frei erfundene Zeichen oder durch die spontane Rhythmik von Farbflecken und Linien geistige Impulse unmittelbar auszudrücken.

Die Formgestaltung unter Ausschluss der Ratio ist ein surreales Ziel. Der Begriff wurde geprägt von Pierre Gueguen, der die Werke abfällig „tachisme“ ( = Fleckwerk) bezeichnet. Daraus entstand 1954 der Begriff Tachismus. Bis in den Umschwung zu Concept Art und Neuen Wilden war der Tachismus oder das Informel der offizielle Lehrstil für Malerei an den Kunstakademien und hatte die figurative Malerei um 1960 völlig verdrängt.

Ziel: Empfindungen und das Unbewusste werden spontan unter Vermeidung jeder rationalen Kontrolle durch Auftragen von Farbflecken und Farbtropfen auf eine Leinwand dargestellt. Hierbei sollen spontane Emotionen und physische Spannungen den Künstler leiten. Tachisten lehnen die bewusste Formgestaltung ab und bekennen sich zur Spontaneität des Schaffensakts, zur Malerei als Ausdruck menschlicher Bewegungsrhythmen und Handlungsimpulse. Der Tachismus versucht, Empfindungen als Spiel des Zufalls durch spontanes Auftragen von Farbklecksen ohne überlegte Kompositionsprinzipien wiederzugeben: Schöpfungskraft des Unbewussten .

Tachisten: Wols, G. Bryen, Henri Michaux, Georges Mathieu (ungegenständliche, von der Schnelligkeit des Malvorgangs bestimmte Kompositionen),Roger Bissiere (träumerisch poetischer Stil, zartfarbige, abstrakte Gebilde),

Pierre Soulage, Jean Fautrier, Jean Dubuffet, Jean Bazaine; Arnulf Rainer (bekannt für Übermalungen eigener und fremder Bilder sowie Fotos)

Verwandte Richtung in den USA: >Action Painting< oder auch  >Abstrakter Expressionismus< mit  Jackson Pollock, Rothko u.a.

In Frankreich hat der Maler WOLS eigtl. Alfred Otto Wolfgang Schulze geboren am 27. Mai 1913 in Berlin , gestorben am 1. September 1951 in Paris gilt als Wegbereiter und Vertreter des Tachismus/Informel. Er hat abstrakte Phantasien geschaffen, die den Tachismus einleiteten. Seine zarten kleinen Bilder mit ihren wolkigen Formen und feinen Strichen haben den Charakter spontaner Aufzeichnung einer sensiblen Hand. Wols war als Maler im Pariser Exil tätig. Seine kriegsbedingte, psychische Belastung äußerte sich in spontanen, eruptiven Farbschlägen, die Gestaltung blieb fragmentarisch . Die Flecken lassen zwar oft das Motiv erkennen, die Bilder selbst aber vermitteln oft den Eindruck als wären sie nicht fertig geworden.

Jean Dubuffet nennt seine Werke >Art brut<, als Bezeichnung für die spontanen, unreflektierten, aus dem Unbewussten sich nährenden Ausdrucksformen von Geisteskranken, Kindern oder Laienmalern fand. Die Gruppe Cobra mit : Asger Jorn, Constant, Karel Appel arbeitete in Sinne von >art brut<.

Action Painting ist eine von dem amerikanischen Kritiker Harold Rosenberg geprägte Bezeichnung für Jackson Pollocks gestische Malaktion, die die Farbe mit Hilfe der Tröpfeltechnik in einer fast tänzerischen Aktion unmittelbar auf die am Boden liegende Leinwand aufträufelt (sog. dripping).

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