Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
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Methoden der Kunstbetrachtung: Percept

Percept: Was sehe ich, was fühle ich, woran denke ich?

Ein Percept ist die erste spontane Begegnung mit dem Kunstwerk. Diese Phase dient dazu, das du einen ersten Zugang zum Kunstwerk erhältst, indem du dein Vorwissen aktivierst, deine Gefühle, Erinnerungen, Ansichten, Erfahrung zum Ausdruck bringst.

Denke immer daran: Kunstwerke sind Seh-Stücke und wenden sich direkt über die Augen an uns, an unser Gefühl, unsere Einstellung. Kunstwerke verstehen heißt: sehen und wahrnehmen. Darüber reden ist etwas anderes. Am Anfang sollte es nie stehen.

Versetze dich in die Rolle eines unbefangenen, aber sensiblen Betrachters!

Folgende Fragestellungen erleichtern den Zugang:

a) Was sehe ich? (Was für eine Situation ist möglicherweise dargestellt? Was fällt auf?)

Diese Phase liefert erste Hinweise, was bei der Analyse genauer untersucht werden
sollte!


b) Was fühle ich? (Welche Wirkung geht von dem Werk aus?)

Gut ist z.B. eine Zusammenstellung von Adjektiven: “harmonisch, friedlich, elegant, ästhetisch ansprechend, ideal, etc.” Möglich ist aber natürlich auch ein “Umkreisen der Wirkung in ganzen Sätzen: “Das Bild wirkt zunächst auf mich, etc.”)

Die Wirkungsbestimmung muss keineswegs widerspruchsfrei sein! Gut ist z.B. die Nachzeichnung eines (emotionalen) Prozesses: “Zuerst erschien mir das Kunstwerk so, dann aber kam es mir doch eher so vor…”


c) Woran denke ich?

Hier sind eher der Verstand und vorhandene Kenntnisse gefragt:

Was könnte der Situation vorausgegangen sein? Auch gut sind Fragen wie: Das Kunstwerk erinnert mich in gewisser Weise an ein mir bekanntes Beispiel; worin besteht die Ähnlichkeit?

Hier können auch erste Beobachtungen zu z.B. Komposition oder Malweise aufgeführt werden.

Beim Percept müssen die drei Fragen a)b)c) nicht säuberlich getrennt bearbeitet werden; hier darf alles noch durcheinandergehen!
Wichtig ist, dass das Percept deinen lebendigen Kontakt zum Kunstwerk zeigt und eine Basis abgibt für die folgende Analyse!

Tips:

  • Äußere, möglichst vielschichtige und reichliche Beobachtungen und Bemerkungen! Lass das Kunstwerk in deiner Sprache lebendig werden!
  • Beschreibe spontan deine Beobachtungen, deinen Eindruck und nimm Bewertungen vor: es gibt schlechter oder besser, kein richtig oder falsch, wichtig oder unwichtig – deine Aussagen können sogar widersprüchlich sein!
  • Stelle Fragen, unternehme erste Deutungsversuche!
  • Deine Aussagen müssen noch nicht belegt werden, können zusammenhanglos sein.
  • Je vielschichtiger und reicher dein Percept ausfällt, desto leichter gewinnst du Impulse für die weitere Analyse.
  • Gut ist es, wenn du am Ende dieses ersten ganzheitlichen Zugriffs deine Bemerkungen bündeln und zusammenfassen kannst: Welche Eindrücke verdichten sich? Was erscheint dir als das Spezifische, Besondere des Kunstwerks? Was bleibt unklar? Wo hast du Klärungsbedarf? Reiße an, wie du dieses Problem methodisch lösen würdest!
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