Nepomucenum
Städtisches Ganztagsgymnasium
tel.: 02541-966010 fax: -19
Holtwicker Straße 8
48653 Coesfeld
PSF 1452

Oberstufe Leitideen

1. Leitidee: Erwerb und Vermittlung fachlicher Kompetenzen
Der Übergang in die Oberstufe des Gymnasiums stellt einen wichtigen Einschnitt im schulischen Leben der SchülerInnen dar. Der Abschied vom Lernen im Klassenverband, die Organisation des Lernens im Kurssystem, in Grund und Leistungskursen, das Angebot neuer Fächer, die Unterscheidung von Wahl- und Pflichtbereich werfen viele Fragen auf, sodass nun die Möglichkeit besteht, den eigenen Bildungsgang in bedeutendem Maße selbst planen und gestalten zu können.
In dieser neuen Situation steht den SchülerInnen vom Beginn der Oberstufe bis zum Abitur eine Jahrgangsstufenleitung und Oberstufenkoordination zur Seite, die bei allen Planungen und Entscheidungen zur Fächerwahl (Fächerwahlbogen G8 und G9) und Oberstufenlaufbahn informiert und berät (Präsentationsfolien G8 und G9). Sie überprüft die Wahlentscheidungen und Belegverpflichtungen, damit alle laufbahnrechtlichen Voraussetzungen für den erfolgreichen Erwerb der allgemeinen Hochschulreife erfüllt werden (Checkliste). Außerdem kontrolliert sie den regelmäßigen Schulbesuch, sie steht auch für alle weiteren Fragen zur Verfügung, für die in der Sekundarstufe I die Klassenleitung zuständig war. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung ist das Team aus Oberstufenkoordination und den Jahrgangsstufenleitungen für den reibungslosen organisatorischen Ablauf und für die weitere Entwicklung der Sekundarstufe II verantwortlich.
Die jeweils gültige Fassung der Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO-GOSt) markiert die Grenzen, innerhalb derer Raum ist für die individuelle Gestaltung der Schullaufbahn. Auf diese Weise soll eine allgemeine Grundbildung für alle SchülerInnen gesichert werden. So ist dort beispielsweise geregelt, dass die Fächer Deutsch, Mathematik, eine Fremdsprache, ein gesellschaftswissenschaftliches und ein naturwissenschaftliches Fach sowie Sport verpflichtend bis zum Ende der Qualifikationsphase belegt werden müssen. Vor allem durch die Wahl der beiden Leistungskurse, aber auch der Grundkurse können die SchülerInnen entsprechend ihren besonderen Interessen und Fähigkeiten Schwerpunkte setzen.
Die Kooperation mit dem benachbarten Heriburg-Gymnasium gewährleistet ein breites Fächerangebot, das die Realisation beinahe aller SchülerInnenwünsche zulässt. In regelmäßigen Dienstbesprechungen beider Schule wird auch stets darauf geachtet, dass das Folgeprinzips des Fächerangebots garantiert ist, so dass auch SchülerInnen im Falle einer Wiederholung nahtlos in der neuen Stufe ihre schulische Laufbahn fortsetzen können.

2. Leitidee: Selbständigkeit fördern durch Erweiterung methodischer Kompetenzen
a) durch selbständiges Lernen und Arbeiten
Die persönliche Autonomie und Handlungskompetenz werden in der gesamten schulischen Ausbildung als zentrale Ziele unseres pädagogischen Handelns verstanden.
Selbstständiges Lernen und Arbeiten sind notwendige Voraussetzungen, in einer sich wandelnden Gesellschaft und Arbeitswelt und in ihren sich immer rascher verändernden Anforderungen das ‚Lernen zu lernen‘. Hinzu kommt die Beherrschung fachlicher, methodischer, sozialer und persönlicher Kompetenzen, um jeweils neuen Fragen, Problemen und Situationen begegnen und diese bewältigen zu können.
Die in der Sekundarstufe I gelegten Grundlagen müssen in der Oberstufe fortgeführt und entwickelt werden. Um selbstständiges Lernen und Arbeiten und damit eigene Entscheidungen und Aktivitäten der SchülerInnen zu fördern, müssen Lernsituationen gegeben sein, die diese konkret fordern und einüben, also z. B. Mitentscheidung bei der Auswahl von Texten, Untersuchungsperspektiven und Lernstrategien, Auswahl und Beschaffung von Materialien und Medien, Recherchen in Datennetzen.
Die Selbstständigkeit meint somit Mündigkeit und Selbstbestimmung, sich also selbst begründete, vernünftige Ziele, Normen und Werte setzen zu können und gelernt zu haben, sich angesichts der ständig anwachsenden Informationsflut seines eigenen Verstandes zu bedienen.
b) durch Schreiben einer Facharbeit
Dieses allgemeine und zentrale Lernziel der Wissenschaftspropädeutik — und damit zugleich auch der Methodik — wird in der gymnasialen Oberstufe durch unterschiedliche Lern- und Lehrmethoden angestrebt. Eine dieser ‚Methoden zur Methodenkompetenz‘ stellt die Facharbeit dar.
Als schriftliche Hausarbeit, die im Rahmen von acht bis zwölf Seiten selbständig zu verfassen ist, ist sie „besonders geeignet, die SchülerInnen mit den Prinzipien und Formen selbstständigen, wissenschaftspropädeutischen Lernens vertraut zu machen“, denn Ziel der Facharbeit ist nicht, dass die SchülerInnen ein Thema umfassend oder wissenschaftlich erarbeiten, sondern dass sie beispielhaft lernen, was eine wissenschaftliche Arbeit ist und wie man sie schreibt. Konkret bedeutet dies, ein Thema zu finden und es zu strukturieren, die Arbeit und deren Phasen zu planen, Informationen zu beschaffen und zu gewinnen, diese zu sichten, zu ordnen und auszuwerten, eine Gliederung anzufertigen, Überarbeitungen vorzunehmen, die wissenschaftliche Darstellungskonventionen zu beherrschen und die formalen Vorgaben einzuhalten.
Die Arbeitsform und Methode ‚Facharbeit‘ beinhaltet unterschiedliche fachübergreifende sowie fachspezifische Methoden und Arbeitstechniken. Dass die Erarbeitung einer Facharbeit gelingen kann, ist von der Beherrschung dieser „Makromethode“ und den korrespondierenden Mikromethoden, die zur Durchführung komplexerer systematischer Operationen benötigt werden, entscheidend abhängig. Viele dieser sprachlichen, fachlichen und methodischen Fähigkeiten und Kenntnisse können die SchülerInnen langfristig im Unterricht erwerben, auf spezifischere Anforderungen der Facharbeit hingegen müssen sie eigens vorbereitet werden.
c) in Workshops
So bedürfen insbesondere die wissenschaftlichen Darstellungskonventionen, die die Form der Facharbeit kennzeichnen, und deren Verfahren einer Vorbereitung. Im ersten Jahr der Qualifikationsphase wählen alle SchülerInnen ein Fach, in dem sie ihre Facharbeit schreiben. Diese Arbeit ersetzt die erste Klausur im zweiten Halbjahr. Eine vorgeschaltete Intensivphase, in der die SchülerInnen u. a. an einem gesonderten Tag in Form eines Workshops durch Lehrer der verschiedenen Fachgruppen in die grundlegenden Kenntnisse methodischer Arbeitsweisen an praktischen Beispielen herangeführt werden, dient der Information und Vorbereitung.
Im Rahmen eines Wissenschaftsabends werden besondere Facharbeiten von ihren Autoren in einer Kurzpräsentation vorgestellt. Eine Jury berät danach über eine Prämierung der besten drei Arbeiten.
d) in Projektkursen
Für die SchülerInnen des G8-Jahrgangs ergibt sich die Möglichkeit, einen Projektkurs zu besuchen. Projektkurse sollen das fachliche Profil der SchülerInnen ausbauen helfen. Dabei ist dieser Kurs an ein oder zwei Referenzfächer angebunden. Inhaltlich unterscheiden sich die Projektkurse in ihrer Ausrichtung von der Obligatorik des Lehrplans, den schulinterenen Curricula und den inhaltlichen Vor­gaben zur Vorbereitung auf das Abitur. Sie ermöglichen durch ein übergreifendes Projektthema die Vernetzung unterschiedlicher Teilthemen. Damit sollen selbstständiges und kooperatives Arbeiten, projekt- und anwendungsbezogene Qualifikationen, fächerverbindende oder fächerübergreifende Perspektiven, Wissenschaftspropädeutik und Praxisorientierung, praktisch-gestalterische Leistungen, experimentelles Arbeiten und eine Produkt- und Ergebnisorientierung gefördert werden. Am Ende eines Projektkurses kann sich die Bewertung an einer Dokumentation (Präsentation mit Kommentar oder Kursarbeit) und einem dazugehörigen Kolloquium orientieren oder sich aus der Dokumentation und der Note „Sonstige Mitarbeit“ zusammensetzen. Das Schreiben einer Facharbeit kann daher bei dem Besuch eines Projektkurses entfallen.
3. Leitidee: Festigung und Erweiterung sozialer Kompetenzen durch politische und gesellschaftliche Partizipation
a) im Kursverband als Jahrgangsstufe
Durch das Miteinander in einer z.T. großen Jahrgangsstufe werden die Schülerinnen und Schüler fast täglich gefordert, soziale Kompetenzen zu festigen bzw. zu erweitern. In dieser Situation steht den Schülerinnen und Schülern von Beginn der Oberstufe bis zum Abitur eine Jahrgangsstufenleiterin bzw. ein Jahrgangsstufenleiter zur Seite, die/der bei allen Fragen zur Fächerwahl und Oberstufenlaufbahn informiert und berät. Darüber hinaus kümmert sich die Jahrgangsstufenleitung z. B. auch um die Wahl der Jahrgangsstufensprecher, die in einer demokratischen Wahl bestimmt werden. Durch diese Wahl sind alle zu gleichen Teilen und gleichem Stimmgewicht Teil einer großen Jahrgangsstufe und nehmen durch ihre Sprecher an weiteren politischen Gremien (z. B. Schulkonferenz, Schülervertretung etc.) an der Weiterentwicklung der Schule teil.
b) durch einen Kennenlernnachmittag
Da wir erfreulicherweise eine recht hohe Zahl von Schülerinnen und Schülern in der Erprobungsstufe neu begrüßen dürfen, da sie nach der Klasse 10 von Realschulen zu uns wechseln, um das Abitur zu machen, liegt ein Schwerpunkt unserer Arbeit auch in der Integration dieser sogenannten „Seiteneinsteiger“ in die neue Jahrgangsstufe. Dazu beitragen soll u.a. ein „Kennenlernnachmittag“, der in den ersten Wochen durchgeführt wird und meistens eine Radtour, eine pädagogische Einheit (in Form von gruppendynamischen Spielen) und ein Abschlussgrillen beinhaltet. Zugleich werden den neuen Schülerinnen und Schülern sogenannte Paten zugeordnet, die bei allen übrigen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Hierdurch wird eine schnelle Integration in die Schulgemeinschaft unterstützt.
c) durch Tage religiöser Orientierung
Jugendliche sind aufgrund des Verlustes der normierenden Bedeutung von Traditionen und der Pluralität von Wert- und Lebensorientierungen mit einer Vielzahl von Sinndeutungen und Weltanschauungen konfrontiert. Die Freiheit, zwischen den verschiedenen Sinnangeboten wählen zu können, bedeutet gerade in Phasen der Veränderung auch ein Stück Heimatlosigkeit. Beim Übergang in die Einführungsphase entsteht für die meisten SuS eine neue Lebens- und Lernsituation: der gewohnte Klassenverband löst sich auf, Schülerinnen und Schüler müssen sich neu aufeinander einlassen und mehr Verantwortung für die eigene schulische und persönliche Entwicklung übernehmen. In dieser Situation scheint eine intensive Orientierungsphase besonders notwendig und sinnvoll zu sein. Die von unserer Schule durchgeführten Tage religiöser Orientierung bieten den Schülern den Freiraum, außerhalb des Schulalltags zusammen mit den Mitschülern Fragen der persönlichen Lebensgestaltung und -orientierung (Wer bin ich? Wie sehen mich die anderen, woran orientiere ich mich in meinem Leben? Welche Bedeutung haben Glaube und Religiosität in meinem Leben?) zur Sprache zu bringen. Die Tage religiöser Orientierung geben somit Anlass zur Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie, mit anderen Personen, mit Fragen und Vorstellungen, was dem Leben Sinn und Gestalt geben kann. Veranstaltungsort für die Tage religiöser Orientierung ist die katholische Jugendburg Gemen, ein Team von Referenten (Sozialpädagogen, Psychologen, Theologen) der Kolpinggemeinde Coesfeld gestaltet die drei Tage inhaltlich. Aus den o.g. Gründen bietet sich diese Veranstaltung besonders zur Integration der „Seiteneinsteiger“ an, da an einem schulfremden Ort Gemeinschaft neu erlebt werden kann.
d) mit Hilfe von Seminaren
Neben den zahlreichen fachlichen Kompetenzen sind es vor allem die soft skills, die eine erfolgreiche gesellschaftliche Integration und Patizipation vereinfachen. So werden Personen innerhalb einer Gesellschaft häufig anhand von z. B. Sprachgebrauch/Kommunikation , Mimik, Gestik oder Auftreten bewertet und eingruppiert. Um die jungen Menschen fit zu machen im persönlichen Auftreten, der Kommunikation mit Mitmenschen als auch für sich selber erfolgreich Entscheidung treffen zu können, absolvieren unsere Schüler in Kooperation mit der VHS ein mehrtägiges soft skill seminar, um die angesprochen Fähigkeiten aus der Sekundarstufe I aufzugreifen, zu vertiefen und zu perfektionieren, mit dem Ziel junge Menschen zu stärken und eine gesellschaftliche Partizipation zu erleichtern.
e) mit Hilfe von Studienfahrten
In der Oberstufe werden – bezogen auf die Leistungskurse – verschiedene Studienfahrten angeboten. Sie sollen den Unterricht ergänzen und bereichern. Darüber hinaus bieten sie den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten, dem eigenen oder einem fremden Land in seiner ganzen Vielfalt, seiner Geschichte, seiner Kultur und seinem Alltagsleben zu begegnen und/oder eine erlernte Fremdsprache dort, wo sie tatsächlich gesprochen wird, anwenden zu können. Auf dieser Grundlage sollen die Schülerinnen und Schüler die Fähigkeit entwickeln, sich auf fremde Kulturen einlassen und in diesen auch bestehen zu können. Hinzu kommen die konkrete Erfahrung fremder Lebensweisen, Sitten, Gewohnheiten und Mentalitäten, aus der sich die Fähigkeit zu Toleranz und Offenheit und die Bereitschaft, eigene Verhaltensmuster in Frage zu stellen, entwickeln und ausbauen soll. Internationale Qualifikationen und interkulturelles Lernen gehören heute zu den Schlüsselqualifikationen. Das Einbeziehen der Schülerinnen und Schüler in Planung, Durchführung und Nachbereitung einer Studienfahrt fördert die Erziehung zur Selbstständigkeit und das soziale Lernen.
f) mit Hilfe von Aktionen zur Politischen Bildung
Eine viertägige Studienfahrt nach Berlin stellt an die Schülerinnen und Schüler hohe Anforderungen an ihre sozialen Kompetenzen. Sie erkunden Berlin im Rahmen eines genau erarbeiteten Programms, das viele Eckpunkte enthält, die politische Bildung eindeutig fördern (u.a. Besuch des Bundestages, des Bundesrates, mehrerer Museen, des alten Stasigefängnisses Hohenschönhausen etc.). Durch das Zusammensein mit einer gesamten Jahrgangsstufe wird das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt und – im Falle von Konflikten – werden auch notwendige Konfliktlösungsstrategien entwickelt.
Ähnliche Ziele verfolgt das unter der Leitung der Fachgruppe Sozialwissenschaften durchgeführte Planspiel an den letzten Tagen vor den Sommerferien für die Schülerinnen und Schüler der Einführungsphase. Unter Anleitung erlernen die Schülerinnen und Schüler in einer Simulation den Weg politischer Entscheidungsfindungsprozesse und müssen somit – immer in Kooperation mit Gleichgesinnten und Gegnern – versuchen, eine politische Entscheidung vorzubereiten und – unter Einbezug vieler Diskussionen – durchzusetzen bzw. auch mal zu revidieren. Insgesamt hilft die Auseinandersetzung mit den Mitschülerinnen und Mitschülern jedem Mitglied der Einführungsphase, seine sozialen und politischen Kompetenzen zu schulen und zu erweitern. Gleichzeitig wird deutlich, wie man sich in einer Gesellschaft einbringen kann und wie der Willenbildunsprozess einer Gruppe funktioniert.
g) mit Hilfe von sozialem Engagement

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!” Leitgedanke des Nepomucenum-Projektes ist es, junge Menschen anzustoßen, sich ehrenamtlich in die Gesellschaft einzubringen. Dies ist von großer Bedeutung für eine funktionierende Gemeinschaft, denn jeder Einzelne trägt Verantwortung zum gemeinschaftlichen Handeln.
Um jedem Schüler und jeder Schülerin, der bzw. die die Gymnasiale Oberstufe des Nepomucenums besucht, Einblicke in soziale Arbeitsbereiche als grundlegende Lebenserfahrung zu ermöglichen, ist ein besonderes „soziales Engagement“ am Nepomucenum im Umfang von mindestens 20 Stunden auf freiwilliger Basis möglich und ausdrücklich erwünscht. Dies soll im Zeitraum der Jahrgangsstufen EF/Q1 entweder im Block in der unterrichtsfreien Zeit oder regelmäßig schuljahresbegleitend (z. B. wöchentlich) abgeleistet werden.
Folgende Formen sind denkbar:
– außerschulische Aktivitäten
– innerschulische Aktivitäten (z. B. SV, Schulsanitätsdienst, Sporthelfer, MAZ, Tutorium, Lernzeit, AG, etc.), die durch ein Zertifikat gewürdigt werden, sofern der Einsatz unentgeltlich, außerunterrichtlich und nachgewiesen erfolgt. Das Zertifikat wird i. d. R. Am Ende der Q1 ausgegeben.